IVF-Fonds Österreich 2026: Voraussetzungen, Selbstbehalt & Ablauf

IVF-Fonds Österreich 2026: Voraussetzungen, Selbstbehalt & Ablauf

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Claudia Gessler-Zwickl ist Gründerin von FERTILABS. Als ehemalige Kinderwunschpatientin setzt sie sich mit viel Leidenschaft dafür ein, andere Betroffene auf ihrem Weg zum Wunschkind zu unterstützen und das Tabuthema "unerfüllter Kinderwunsch" zu entkräften. Gemeinsam mit einem Team führender Ärzte hat sie VILAVIT entwickelt – ein innovatives Kinderwunschpräparat, das sowohl die weibliche als auch die männliche Fruchtbarkeit fördert.

Was ist der IVF-Fonds?

Wer hat Anspruch? Die Voraussetzungen im Überblick

Welche Diagnosen werden anerkannt?

Was zahlt der Fonds – und was nicht?

Wie viele Versuche werden bezahlt?

Ablauf: So kommt ihr zur Förderung

Wie hoch sind die Chancen?

So bereitet ihr euch auf eine IVF vor

  • Der IVF-Fonds übernimmt 70% der Kosten für bis zu vier IVF- oder ICSI-Versuche.
  • Die Frau muss bei Behandlungsbeginn unter 40 sein, ihr Partner oder ihre Partnerin unter 50.
  • Ihr braucht eine anerkannte Diagnose und eine Behandlung in einem Vertragszentrum. Einen Antrag müsst ihr nicht stellen, das Zentrum rechnet direkt mit dem Fonds ab

Bist Du gerade auf Deiner Kinderwunschreise und denkst über eine künstliche Befruchtung nach aber machst Dir Sorgen, vielleicht auch um die Kosten? Vielleicht kommt eine Kostenunterstützung aus dem IVF-Fonds in Österreich für Dich in Frage. Wann Du Anspruch auf den IVF-Fonds hast und wie Du Deine Chancen auf einen erfolgreichen Zyklus erhöhen kannst, erfährst Du hier. 

Bevor wir uns mit dem IVF-Fonds in seinen Einzelheiten auseinandersetzen, haben wir hier noch einen kleinen Überblick über den Ablauf einer IVF für Dich:

Was ist der IVF-Fonds?

Der IVF-Fonds ist ein staatlicher Fonds, der Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch einen großen Teil der Kosten für eine künstliche Befruchtung abnimmt. Er besteht seit dem Jahr 2000 und wird aus dem Familienlastenausgleichsfonds und von den Krankenversicherungen finanziert. 2024 wurden über den Fonds 12.623 Behandlungsversuche bei 7.531 Paaren mitfinanziert. Der IVF-Fonds übernimmt in Österreich 70 % der Kosten für bis zu vier IVF- oder ICSI-Versuche. Voraussetzung ist, dass die Behandlung in einem Vertragszentrum erfolgt. Antrag müsst ihr keinen stellen, denn ein Vertragszentrum rechnet direkt mit dem Fonds ab.

Neu 2026: Die Bundesregierung hat im Juli 2026 angekündigt, den Selbstbehalt von 30 auf 25% zu senken. Ab wann das gilt, steht noch nicht fest. Wir aktualisieren diesen Artikel, sobald die Änderung in Kraft ist.

Wer hat Anspruch? Die Voraussetzungen im Überblick

Was? Bedingung
Alter der Frau, die das Kind austrägt Unter 40 Jahren bei Beginn des Versuchs; ein laufender Versuch darf noch abgeschlossen werden
Alter ihres Partners oder ihrer Partnerin Unter 50 Jahren
Partnerschaft Ehe, eingetragene Partnerschaft oder Lebensgemeinschaft; seit 2015 auch zwei Frauen
Wohnsitz Mindestens eine Person mit Hauptwohnsitz in Österreich
Versicherung Beide mit Krankenversicherungsschutz (gesetzlich oder anerkannt privat)
Medizinische Diagnose Mindestens eine der anerkannten Indikationen (siehe unten)
Behandlungsort Ein Vertragszentrum des IVF-Fonds

 

Unverheiratete Paare brauchen nach dem Fortpflanzungsmedizingesetz eine notariell beglaubigte Zustimmung zur Behandlung; die Kosten dafür liegen laut Kliniken bei rund 100–300 €.

Welche Diagnosen werden anerkannt?

Der Fonds zahlt nur, wenn eine der folgenden Ursachen fachärztlich festgestellt wurde:

Bei einer Frau:

Die Diagnosen müssen von einer Gynäkologin oder einem Gynäkologen gestellt werden.

Beim Mann:

  • Eine schwere, idiopathische Einschränkung der Spermienqualität (belegt durch zwei Spermiogramme im Abstand von mindestens vier Wochen)
  • Sterilität oder schwere Infertilität aufgrund einer diagnostizierten Erkrankung

Die Diagnose kann durch eine Fachärztin oder einen Facharzt (unabhängig der Fachrichtung) gestellt werden.

Wichtig: Die männliche Seite ist der häufigste Grund. 2024 lag bei 58 % der geförderten Paare die Ursache ausschließlich beim Mann, bei 29 % bei beiden Partnern und nur bei 13 % ausschließlich bei der Frau. Eine „unerklärte“ Kinderlosigkeit ohne diese Diagnosen ist nicht abgedeckt.

Was zahlt der Fonds und was nicht?

Übernommen werden 70% des festgelegten Tarifs für IVF, ICSI und Kryotransfers (Transfer eingefrorener Embryonen) sowie bei Bedarf die Gewinnung von Spermien aus dem Hoden (MESA/TESE). Im Tarif enthalten sind Beratungen, Ultraschall, Labor, psychologische Betreuung, Medikamente zur Stimulation sowie Einfrieren und Lagerung der Embryonen für bis zu 12 Monate.

Nicht übernommen werden:

  • Inseminationen (IUI)
  • Kosten für Samen- oder Eizellspende
  • Zusatzleistungen der Klinik, z.B. Time-Lapse-Inkubation, IMSI, Assisted Hatching oder Präimplantationsdiagnostik (PID)
  • Behandlungen nach einer gewünschten Sterilisation
  • Versuche, die privat bezahlt und erst nachträglich eingereicht werden – eine Rückerstattung ist nicht möglich

Was ihr selbst zahlt: Mit Fonds liegt der Selbstbehalt meist bei rund 1.100 bis 1.500 € pro IVF- oder ICSI-Versuch, ein Kryotransfer kostet rund 300 bis 600 €. Ohne Fonds sind es rund 6.000 bis 7.000 € pro Zyklus inklusive Medikamente. Alle Preise, Zusatzkosten und ein Rechenbeispiel findet ihr in unserem Artikel IVF-Kosten in Österreich.

Wie viele Versuche werden bezahlt?

Der Fonds finanziert bis zu vier Versuche. Als Versuch zählt ein ganzer Behandlungszyklus bis zum Schwangerschaftstest – auch ein abgebrochener Zyklus. Jeder spätere Transfer eingefrorener Embryonen gilt als eigener Versuch. Die einzige Ausnahme stellt ein Abbruch aus medizinischen Gründen nach der Eizellentnahme dar wenn die eingefrorenen Embryonen im nächsten Zyklus genutzt werden – dieser abgebrochene Zyklus, aus dem die Eizellen stammen und der, in dem sie eingesetzt werden gelten dann als ein Versuch. Kommt es durch die Behandlung zu einer Schwangerschaft, entsteht ein neuer Anspruch auf vier Versuche, etwa für ein zweites Kind. Im Schnitt brauchten Frauen 2024 rund 1,7 Versuche.

Ablauf: So kommt ihr zur Förderung

  1. Diagnose: Gynäkologin bzw. Urologe stellt die Ursache fest (z. B. Spermiogramm, Eileiterdurchgängigkeit).
  2. Vertragszentrum wählen: Nur dort gilt die Förderung. Eine aktuelle Liste mit allen Zentren gibt es auf der Website des Familienministeriums.
  3. Prüfung im Zentrum: Das Zentrum prüft Diagnose, Alter, Versicherung und Wohnsitz.
  4. Behandlungsvertrag und Selbstbehalt: Du zahlst Deinen Anteil direkt an das Zentrum, den Rest rechnet das Zentrum mit dem Fonds ab.
  5. Ergebnis melden: Spätestens drei Monate nach dem Versuch müsst Ihr dem Zentrum mit einem Formular mitteilen, ob eine Schwangerschaft eingetreten ist. Ohne Meldung kann der Fonds das Geld zurückfordern.

Wie hoch sind die Chancen?

Laut IVF-Register 2024 führte etwa jeder dritte Embryotransfer zu einer Schwangerschaft (34%). Bei Frauen zwischen 36 und 40 Jahren waren es 29%, bei jüngeren Frauen 37–38%. Die individuelle Chance hängt stark vom Alter und von der Ursache ab. Bei etwa einem Viertel der Versuche kam es zu einer Geburt. 

So bereitet Ihr euch auf eine IVF vor

Eizellen und Spermien brauchen rund drei Monate, bis sie reif sind. Was du also heute tust, verändert die Qualität der Zellen, die bei der Behandlung in drei Monaten entnommen werden. Es lohnt sich deshalb, mit der Vorbereitung zu beginnen, sobald die Entscheidung für eine IVF gefallen ist, nicht erst mit der Stimulation. 

Weil bei mehr als der Hälfte der Paare die Ursache beim Mann liegt, lohnt sich die Vorbereitung für beide. Wie das konkret geht, zeigen wir in Pimp my Eggs und Pimp my Sperm.

Medizinisch vorbereiten

  • Nährstoffversorgung und Folsäure: Fachgesellschaften empfehlen Frauen mit Kinderwunsch 400 µg Folsäure täglich, idealerweise ab mindestens vier Wochen vor einer Schwangerschaft. Mehr dazu im Artikel Wichtige Nährstoffe für die Fruchtbarkeit.
  • Impfschutz prüfen: Röteln und Windpocken sollten vor einer Schwangerschaft abgedeckt sein. Fehlt der Schutz, ist eine Impfung vor der Behandlung sinnvoll.
  • Blutwerte checken lassen: Unter anderem werden häufig Schilddrüsen-Werte und Vitamin D mitbestimmt. Warum Vitamin D beim Kinderwunsch eine Rolle spielt, steht in Vitamin D bei Kinderwunsch.
  • Vorerkrankungen und Medikamente besprechen: etwa bei PCOS (neu auch PMOS genannt), Endometriose oder einer chronischen Erkrankung.
  • Spermiogramm: Ein aktuelles Spermiogramm gehört zu jeder Abklärung – bei mehr als der Hälfte der geförderten Paare liegt die Ursache (auch) beim Mann.

Lebensstil: was wirklich zählt

  • Rauchen aufhören: Rauchen gehört zu den am besten belegten Risikofaktoren für schlechte Eizell- und Spermienqualität.
  • Alkohol reduzieren: Studien bringen schon moderaten Alkoholkonsum mit niedrigeren Erfolgsraten bei IVF/ICSI in Verbindung – bei Frauen und Männern. Mehr im Artikel Eizellqualität verbessern.
  • Gewicht im Blick behalten: Starkes Über- oder Untergewicht kann den Hormonhaushalt und den Behandlungserfolg beeinflussen.
  • Ausgewogen essen: Viel Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchte und gesunde Fette, wenig stark Verarbeitetes. Tipps dazu findest Du in Ernährung und Kinderwunsch und in Wie hochverarbeitete Lebensmittel die Fruchtbarkeit beeinflussen.
  • Ausreichend schlafen: Studien deuten darauf hin, dass Frauen mit weniger als sieben Stunden Schlaf bei der IVF weniger reife Eizellen haben.
  • Hormonaktive Stoffe meiden: Dazu zählen etwa Weichmacher aus Plastik, die wir für dich in dem Artikel Wie Mikroplastik die Fruchtbarkeit gefährdet beschrieben haben.

Organisatorisch und emotional

  • Termine einplanen: Während der Stimulation sind oft mehrere Ultraschalltermine innerhalb weniger Tage, meist früh am Morgen, nötig. Am Tag der Eizellentnahme bist Du aufgrund der Narkose nicht arbeitsfähig. Nimm in Deiner Terminplanung also darauf Rücksicht.
  • Notariatsakt rechtzeitig erledigen: Der Notariatsakt muss erledigt werden, wenn ihr nicht verheiratet seid aber eine Unterstützung des IVF-Fonds bekommen wollt.
  • Unterstützung annehmen: Psychologische Betreuung ist im Fonds-Tarif enthalten – frag in Deinem Zentrum aktiv danach. Eine IVF ist für viele Paare emotional anstrengender als erwartet.
  • Vorbereitung aufs Erstgespräch: Seid vorbereitet auf das Erstgespräch indem Ihr alle Euch wichtigen Fragen stellt, um herauszufinden, ob die Klinik und vorgeschlagenen Behandlungsmethoden zu Euch passen. Nachdem wir wissen, wie stressig diese Erstgespräche sein können, haben wir eine Checkliste für euch zusammengestellt. Die Checkliste könnt ihr hier kostenlos downloaden oder falls Ihr das wollt diese tintensparende Version nutzen. 

Häufige Fragen zum IVF-Fonds

Muss ich beim IVF-Fonds einen Antrag stellen?

Nein, darum kümmert sich Dein Vertragszentrum. Dort werden Diagnose, Alter, Versicherung und Wohnsitz geprüft, ein Behandlungsvertrag unterschrieben und der Selbstbehalt an das Zentrum bezahlt. Den Rest rechnet das Zentrum mit dem Fonds ab. Deine einzige Pflicht danach: spätestens drei Monate nach dem Versuch melden, ob eine Schwangerschaft eingetreten ist.

Zahlt der IVF-Fonds auch nach dem 40. Geburtstag?

Nein, die Frau, die das Kind austragen möchte, muss unter 40 Jahren alt sein. Entscheidend ist jedoch der Beginn des Versuchs: Ein Zyklus, der vor dem 40. Geburtstag startet, wird noch gefördert und darf abgeschlossen werden, jeder weitere nicht mehr. Danach ist eine Behandlung als Selbstzahlerin möglich. Weil die Erfolgsrate ab Mitte 30 sinkt, lohnt es sich, eine Abklärung nicht aufzuschieben. Mehr dazu in Schwanger werden mit 40 und Was ein niedriger AMH-Wert wirklich bedeutet.

Bekommen lesbische Paare Geld vom IVF-Fonds?

Ja, seit 2015 – aber nur, wenn bei der Frau, die das Kind austragen möchte, eine der anerkannten Diagnosen vorliegt (z. B. verschlossene Eileiter, Endometriose oder PMOS). Die Kosten für den Spendersamen übernimmt der Fonds nicht. Ohne Diagnose ist eine IVF-Behandlung möglich, aber privat zu bezahlen.

Wird eine Insemination vom IVF-Fonds bezahlt?

Nein, der Fonds deckt nur IVF, ICSI und Kryotransfers. Eine Insemination (IUI) ist bei leichteren Ursachen oft der erste Schritt und kostet privat meist einige hundert Euro pro Zyklus, muss aber privat bezahlt werden.

Was passiert mit eingefrorenen Embryonen?

Das Einfrieren und Lagern der Embryonen für zwölf Monate sind im Fonds-Tarif enthalten. Danach zahlst Du die Lagerung selbst (Beispiel: rund 380 € pro Jahr). Jeder Transfer eines eingefrorenen Embryos zählt als eigener Versuch – ist aber deutlich günstiger als ein neuer Zyklus mit Stimulation. 

Was ein Kryotransfer mit und ohne Fonds kostet, findet Ihr hier: IVF-Kosten in Österreich.

Zahlt der Fonds, wenn nur der Mann eine Diagnose hat?

Ja, eine schwere Einschränkung der Spermienqualität, belegt durch zwei Spermiogramme, reicht als Indikation – auch wenn bei der Frau alles unauffällig ist. In dieser Situation wird meist eine ICSI gemacht. Hintergründe in Zu wenig Spermien: schwanger trotz Oligozoospermie und TESE bei Azoospermie.

Wird eine Präimplantationsdiagnostik (PID) bezahlt?

Nein, die PID ist in Österreich nur in bestimmten Fällen erlaubt und keine Leistung des IVF-Fonds. Mehr in Präimplantationsdiagnostik: Chancen und Herausforderungen.

Wie viele Versuche braucht man im Schnitt?

2024 waren es durchschnittlich 1,7 Versuche pro Frau. Wie viele Eizellen und Transfers es im Einzelfall braucht, erklärt Erfolgschancen der IVF. 

Quellen