- Hormone als Auslöser: Die meisten Veränderungen (Pigmentierung, Haare) sind hormonell bedingt und harmlos
- Sonnenschutz ist Pflicht: Mineralischer UV-Schutz beugt der „Schwangerschaftsmaske“ (Melasma) effektiv vor
- Geduld bei Dehnungsstreifen: Cremes können helfen, aber Massagen und Akzeptanz sind oft der beste Weg
- Nachsorge: Viele Veränderungen verschwinden nach der Geburt von selbst, bei Krampfadern oder starken Streifen helfen dermatologische Behandlungen falls gewünscht
Während der immer größer werdende Babybauch die signifikanteste optische Veränderung in der Schwangerschaft ist, gibt es auch andere häufige Veränderungen der Haut, Haare und Nägel in dieser Zeit. Worauf sich werdende Mamas einstellen sollten und was sich dagegen tun lässt, erfährst Du hier.
Glow oder Gefahr? Pigmentveränderungen verstehen
Die häufigste Veränderung der Haut während der Kugelzeit umfasst die Veränderung der Hautpigmentation – meist eine Hyperpigmentierung also eine Verdunklung der Haut. Rund 90% aller Schwangeren sind davon betroffen! (Hassan, I., et al., 2015). Die Hyperpigmentation wird vor allem durch die vermehrte Ausschüttung der Hormone Progesteron, Östrogen und dem Melanozyten-Stimulierendem Hormon (MSH) verursacht. Pigmentveränderungen können in verschiedenen Formen auftreten und ist zum Glück harmlos. Meistens verschwinden diese Veränderungen auch wieder von selbst nach der Geburt (Erlandson, M., et al., 2023).
Melasma: Wenn die Schwangerschaftsmaske erscheint
Melasma oder Schwangerschaftsmaske bezeichnet eine unregelmäßige dunklere Pigmentierung der Gesichtshaut. In anderen Worten verursacht das Melasma dunklere „Flecken“ im Gesicht. Diese können eher großflächig auftreten und das Gesicht (fast) vollständig betreffen oder nur an kleinen, einzelnen Stellen auftreten. Du brauchst Dir jedoch keine Sorgen vor dem Melasma zu machen, denn Du bist in bester Gesellschaft: Bis zu 75% aller Schwangeren haben eine sogenannte Schwangerschaftsmaske. Die Schwangerschaftsmaske wird durch Sonneneinstrahlung verstärkt – und kann demnach zumindest teilweise abgeschwächt werden, indem Du auf ausreichend Sonnenschutz achtest (Erlandson, M., et al., 2023). Zum Thema Sonnenschutz findest Du am Ende des Artikels einen Absatz mit den wichtigsten Informationen.
Die Linea nigra: Der Klassiker auf dem Babybauch
Viele Schwangerschaftsbäuche werden von einer dunklen Linie gezeichnet, die sich von oben nach unten mittig über den Bauch zieht. Diese Linie entsteht ebenfalls durch zusätzliche Pigmente in der Haut und ist kein Grund zur Sorge. Sie kann mehr oder weniger stark ausgeprägt sein und verschwindet meistens wieder von selbst. In den meisten Fällen macht sich die Linea Nigra ab dem zweiten Trimester bemerkbar (Erlandson, M., et al., 2023).
Hyperpigmentierung an sensiblen Stellen
Die Hyperpigmentierung tritt oft bereits ab dem ersten Trimester auf und kann besonders die Brustwarze und den Brustwarzenhof betreffen. Diese werden zumeist einfach etwas dunkler oder bräunlicher (besonders bei helleren Hauttypen) als Du es bisher gewohnt bist. Auch die Genitalien können etwas dunkler werden. Egal wie ungewohnt und seltsam diese Veränderungen wirken, sind sie kein Grund zur Sorge (Erlandson, M., et al., 2023).
Was hilft wirklich gegen Dehnungsstreifen?
Die weltberühmten Dehnungsstreifen werden auch Striae gravidarium genannt und gehören wohl zu den gefürchtetsten Hautveränderungen in der Schwangerschaft. Auch hier sind bis zu 90% aller Schwangeren betroffen – vom Bauch über die Brust, das Gesäß oder die Extremitäten kann grundsätzlich der gesamte Körper betroffen sein. Dehnungsstreifen gibt es übrigens nicht nur im Rahmen der Schwangerschaft und es gibt auch verschiedene Arten, die sich optisch unterscheiden. In der Schwangerschaft handelt es sich meistens um rötliche bis violette Streifen, die meist kurz und unregelmäßig sind. Manchmal werden sie optisch auch mit kleinen Flammen verglichen. Dehnungsstreifen verschwinden nicht unbedingt wieder nach der Schwangerschaft (Erlandson, M., et al., 2023).
Prävention und Therapie von Dehnungsstreifen
Gerade weil Dehnungsstreifen manchmal auch erhalten bleiben können, sind sie bei manchen Frauen Schreckgespenster. Kein Wunder also, dass es zahlreiche Pflegecremes gibt, die eine Verhinderung oder Besserung der Streifen versprechen. Cremes, die die Entstehung von Dehnungsstreifen verhindern sollen, schneiden in wissenschaftlichen Untersuchungen leider schlecht ab und werden deshalb nicht empfohlen (Brennan, M., et al., 2012).
Sind die Dehnungsstreifen bereits sichtbar sind Cremes mit 0.1%-Tretinoin oder Glykolsäure vielversprechend. Besonders gute Ergebnisse können erzielt werden, wenn die Produkte auf möglichst frische Dehnungsstreifen angewendet werden (Algarra Sahuquillo, J., et al., 2026). Andere Expertinnen und Experten empfehlen hingegen Produkte mit Hyaluronsäure oder indischem Wassernabel in Kombination mit einer täglichen Massage (Erlandson, M., et al., 2023).
Trotz alledem sind eine gute Hautpflege mit hochwertigen Inhaltsstoffen und auch gerne mit Massage immer eine gute und vor allem wohltuende Option für werdende Mamas. Für viele Schwangere ist auch genau dieses Ritual ein sehr angenehmes, das oftmals auch gemeinsam mit dem werdenden Papa oder der werdenden Mama durchgeführt wird.
Sollten die Dehnungsstreifen bestehen bleiben und für Unwohlsein sorgen, kann nach der Schwangerschaft beispielsweise auch über eine Laser-Therapie nachgedacht werden (Farahnik, B., et al., 2016).
Haare und Nägel bekommen ein neues Eigenleben
In der Schwangerschaft berichten viele Frauen von dichterem Kopfhaar, das ebenfalls durch die Hormonveränderungen zu vermehrtem Wachstum angeregt wird. Bei manchen Frauen können auch mehr Haare um Gesicht, an den Extremitäten oder dem Rücken wachsen als dies bei ihnen normalerweise der Fall ist.
Leider ist aber auch vermehrter Haarausfall nach der Geburt für viele Frauen Teil des Erlebnisses. Dieser Haarausfall kann bis zu 18 Monate nach der Geburt noch andauern – er kann aber auch deutlich kürzer anhalten. Und Entwarnung an dieser Stelle: Die wenigsten Frauen leiden unter extremen Haarausfall. Meist ist dieser für andere Personen sogar kaum sichtbar.
Auch die Nägel wachsen in der Schwangerschaft schneller aber können auch spröder sein als vor der Kugelzeit. Fluch und Segen zugleich! (Erlandson, M., et al., 2023)
Gefäßveränderungen von Rötungen bis Spinnen
Auch die Gefäße verändern sich im Laufe der Schwangerschaft und das teilweise sichtbar. Die Gefäßveränderungen stellen in der Regel kein ernsthaftes gesundheitliches Problem dar. Solltest Du dir jedoch unsicher sein, hole Dir bitte unbedingt ärztlichen Rat ein! Das gilt aber natürlich nicht nur für Gefäßveränderungen!
Gefäßspinnen (Naevus araneus)
Die sogenannten Gefäßspinnen oder auch Naevus araneus oder Eppinger-Sternchen bestehen aus einem zentralen roten Knötchen oder Punkt von dem aus spinnenbeinartige Ausläufer oder „Sternzacken“ weggehen. Sie sind oft im Gesicht, Hals, Nacken oder Brustbereich zu finden und einige Personen weisen diese Gefäßspinnen auch aus anderen Gründen auf: teils ohne Ursache oder teils durch Erkrankungen, Hautschäden durch Sonnenlicht oder Lebererkrankungen. Auch rund zwei Drittel aller Schwangeren entwickeln solche Veränderungen aber in rund 75% der Fälle verschwinden diese wieder von selbst sobald sich die Hormone nach der Geburt wieder normalisiert haben (Erlandson, M., et al., 2023).
Palmarerythem (Rote Handflächen)
Rötlich verfärbte Handflächen gehören ebenso zu den Hautveränderungen, die auch ohne Schwangerschaft auftreten können. In der Schwangerschaft betreffen sie rund zwei Drittel aller werdenden Mamas und sind besonders bei Frauen mit hellerer Haut häufiger und auch deutlicher zu finden. Palmarerytheme sind schmerzfrei, können aber ein Wärmegefühl in den Händen erzeugen (Erlandson, M., et al., 2023).
Krampfadern (Varizen)
Krampfadern sind auch als Varizen bekannt und besonders außerhalb der Schwangerschaft berühmt. Sie treten aber auch bei 40% der Schwangerschaften auf. Krampfadern kommen in der Schwangerschaft, um zu bleiben. Sie sind also von da an ständiger Begleiter der Frauen. Auch Krampfadern sind in der Regel harmlos (Erlandson, M., et al., 2023).
Andere gefäßbedingte Veränderungen
Manchmal können in der Schwangerschaft auch vaginale Erythreme also Rötungen im Bereich der Vagina auftreten. Auch das Zahnfleisch ist vermehrt für Entzündungen und Rötungen anfällig durch die Kugelzeit weshalb Schwangere nicht nur regelmäßig zur Frauenärztin oder dem Frauenarzt, sondern auch zur Zahnärztin oder zum Zahnarzt gehen sollten! (Erlandson, M., et al., 2023)
Sicherer Sonnenschutz in der Schwangerschaft
Sonnenschutz sollte in der Kugelzeit keinesfalls vernachlässigt werden, da die Haut in der Schwangerschaft besonders empfindlich auf die Sonne reagiert. Außerdem können eben gewisse Hautveränderungen wie Melasma durch die Sonne verstärkt werden.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler empfehlen bei der Wahl der Sonnencreme in der Schwangerschaft auf potenziell schädliche Stoffe wie Oxybenzon zu verzichten. Außerdem solltest Du Produkte mit Stoffen wie Salicylsäure oder Parabenen meiden. Deine Sonnencreme sollte idealerweise eine mineralische Sonnencreme mit Stoffen wie Zinkoxiden sein da diese als besonders sicher in der Schwangerschaft gelten und einen guten Schutz vor UVA, UVB und HEV-Strahlung (High Energy Visible Strahlung) bieten. Da mineralische Sonnencremes oft den typischen gefürchteten „Weißel-Effekt“ hervorrufen, kannst Du auch auf getönte Sonnencremes zurückgreifen oder darüber eine Foundation oder anderes Make-Up auftragen. Zusatzstoffe wie Vitamin E, Niacinamid oder feuchtigkeitsspendende Stoffe wie Hyaluronsäure gelten als unbedenklich in der Schwangerschaft. Möchtest du auf Nummer sicher gehen, nutze lieber Sonnencremes als Sonnensprays damit Du weniger Inhaltsstoffe des Sonnenschutzprodukts einatmest (Lim, H. W., et al., 2025).
Häufig gestellte Fragen zum Thema
Gehen Dehnungsstreifen nach der Geburt wieder weg?
Sie verblassen meist von rötlich-violett zu hellen, silberweißen Linien, bleiben aber als feine Narben oft dauerhaft sichtbar. Laser-Therapien können das Erscheinungsbild nachträglich verbessern.
Warum fallen mir nach der Schwangerschaft die Haare aus?
Durch den sinkenden Östrogenspiegel nach der Geburt gehen Haare, die während der Schwangerschaft in der Wachstumsphase gehalten wurden, gleichzeitig in die Ruhephase über. Das regelt sich meist innerhalb weniger Monate von selbst.
Welcher Sonnenschutz ist in der Schwangerschaft am besten?
Expertinnen und Experten empfehlen mineralische Filter (Zinkoxid oder Titandioxid), da diese nicht in die Haut einziehen und hormonell unbedenklich sind.
Muss ich wegen roter Handflächen zum Arzt?
Ein Palmarerythem ist in der Schwangerschaft meist harmlos. Wenn jedoch starker Juckreiz oder Schmerzen dazukommen, sollte zur Sicherheit eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden.
Ist die Linea nigra gefährlich für mein Baby?
Nein, absolut nicht. Die dunkle Linie auf dem Bauch ist lediglich ein Zeichen für eine verstärkte Pigmentansammlung in der Haut, die durch Hormone ausgelöst wird. Sie hat keinerlei Auswirkungen auf die Gesundheit oder Entwicklung Deines Kindes.
Verschwindet das Melasma sofort nach der Entbindung?
In der Regel verblassen die dunklen Flecken innerhalb weniger Monate nach der Geburt, sobald sich der Hormonspiegel normalisiert hat. Bei manchen Frauen kann es jedoch länger dauern, besonders wenn die Haut weiterhin ungeschützt starker Sonne ausgesetzt wird.
Referenzen
- Hassan, I., Bashir, S., & Taing, S. (2015). A clinical study of the skin changes in pregnancy in kashmir valley of north India: a hospital based study. Indian journal of dermatology, 60(1), 28–32. https://doi.org/10.4103/0019-5154.147782
- Erlandson, M., Wertz, M. C., & Rosenfeld, E. (2023). Common Skin Conditions During Pregnancy. American family physician, 107(2), 152–158.
- Lim, H. W., Piquero-Casals, J., Schalka, S., Leone, G., Trullàs, C., Brown, A., Foyaca, M., Gilaberte, Y., Krutmann, J., & Passeron, T. (2025). Photoprotection in pregnancy: addressing safety concerns and optimizing skin health. Frontiers in medicine, 12, 1563369. https://doi.org/10.3389/fmed.2025.1563369
- Brennan, M., Young, G., & Devane, D. (2012). Topical preparations for preventing stretch marks in pregnancy. The Cochrane database of systematic reviews, 11(11), CD000066. https://doi.org/10.1002/14651858.CD000066.pub2
- Algarra Sahuquillo, J., & Martín-Gorgojo, A. (2026). Stretch Marks: Systematic Review of its Therapeutic Approach. Actas dermo-sifiliograficas, 117(4), 104553. https://doi.org/10.1016/j.ad.2025.104553
- Farahnik, B., Park, K., Kroumpouzos, G., & Murase, J. (2016). Striae gravidarum: Risk factors, prevention, and management. International journal of women's dermatology, 3(2), 77–85. https://doi.org/10.1016/j.ijwd.2016.11.001


















