- Rückenschmerzen in der Schwangerschaft sind leider weit verbreitet und teilweise ganz natürlich
- Eine angenehme Schmerzreduktion kannst Du aber schon mit einfachen Methoden erreichen
- Vom Tapen über Bauchgürtel bis zu gezielter Muskelentspannung findest Du hier Tipps und Tricks zur Schmerzreduktion
- Plötzliche, extreme oder Schmerzen in Begleitung anderer Symptome solltest Du aber unbedingt abklären lassen
Welche Schwangere kann denn kein Lied von den unleidlichen Schmerzen im Rücken singen? Rückenschmerzen in der Schwangerschaft können zur echten Plage werden und Dir die Kugelzeit vermiesen. Auch der Schlaf leidet dabei leider ganz schön oft mit. Und weil gut gemeinte Tipps wie Ruhe oder weniger Stress schwierig umzusetzen sind (und manchmal auch gar nicht so hilfreich sind), haben wir uns auf die Suche nach den effektivsten Behandlungsmöglichkeiten für Rückenschmerzen in der Schwangerschaft gemacht. Natürlich sicher für Dich und Dein Baby.
Bin ich allein mit Rückenschmerzen in der Schwangerschaft?
Nein, bist Du (leider) ganz bestimmt nicht! Rückenschmerzen in der Schwangerschaft gehören zu den absoluten Klassikern unter den Leiden der Kugelzeit. Die Angaben dazu, wie viele Schwangere mit Dir mitleiden, unterscheiden sich stark: Global gesehen leiden rund 40% der Schwangeren unter Rückenschmerzen laut einer Studie aus dem Jahr 2023. Die Häufigkeit schwankt dabei je nach Trimester zwischen 28.3% und 47.8% der werdenden Mamas (Salari, N. et al., 2023).
Eine Studie aus Portugal hingegen kam zu dem Schluss, dass die Rückenschmerzen häufig am Beginn der Schwangerschaft stärker sind, dann zwischenzeitlich abnehmen und gegen Ende der Schwangerschaft wieder stark ansteigen. Dabei gaben knapp 92% der befragten Schwangeren in der 32. Schwangerschaftswoche an, Rückenschmerzen zu haben und in der 37. Schwangerschaftswoche sogar 98% (Quaresma, C., et al., 2010).
Letztlich lässt sich schwer bestimmen, wann und wie viele Frauen unter Rückenschmerzen leiden, da Schmerzen sehr individuell wahrgenommen und beschrieben werden. Trotz alledem solltest Du und Deine Beschwerden immer ernst genommen und gut behandelt werden!
Warum Rückenschmerzen so häufig auftreten in der Schwangerschaft
Das offensichtliche natürlich gleich vorneweg: Werdende Mamas nehmen im Laufe der Schwangerschaft durchschnittlich rund 12 Kilogramm zu. So viel Gewicht zusätzlich tagtäglich zu „tragen“ wäre wohl egal unter welchen Umständen äußerst unangenehm! Zusätzlich ist die Gewichtszunahme bei Schwangeren ja primär auf den Bauchbereich begrenzt und somit muss der Rücken eindeutig den größten Teil des Mehrgewichts tragen.
Unglücklicherweise führen außerdem biomechanische und hormonelle Veränderungen, die durch die Schwangerschaft entstehen zu einer erhöhten Anfälligkeit für diverse Probleme des Bewegungsapparats. Dazu zählen besonders Rückenschmerzen, Beckenscherzen, Ischiasschmerzen und Steißbeinschmerzen. Auch der Anstieg der Hormone Relaxin und Progesteron dürften die Entstehung von Rückenschmerzen begünstigen (Salari N., et al., 2023).
Sanftes Tape und starke Gürtel gegen Schmerzen
Manchmal wirken die Lösungen für unsere Probleme viel komplizierter als sie eigentlich sind oder sein könnten. Genau das ist auch hier der Fall: Mit Kinesiologie-Tape und Schwangerschaftsgürteln entlastest Du Deinen Rücken gezielt und reduzierst so ganz wunderbar Deine Schmerzen.
Kinesiologie-Tapes werden vielseitig für muskulär bedingte Schmerzen eingesetzt – besonders von Sportlerinnen und Sportlern sind sie bekannt. Doch auch werdende Mamas dürfen sich über die Vorteile des Tapens freuen: Es kann dabei helfen die Stabilität Deines Rückens zu verbessern und Dir somit helfen, eine bessere Körperhaltung einzunehmen. Außerdem fördert Tape die Durchblutung und den Lymphabfluss an der aufgebrachten Stelle. Beides kann dazu beitragen, kleinere Muskelverletzungen zu heilen aber auch Spannungen zu beseitigen. Ein angenehmer Nebeneffekt ist außerdem, dass durch das Tape ein sensorischer Reiz an Dein Gehirn gesendet wird und Du so das Schmerzsignal verhältnismäßig weniger stark wahrnimmst (Xue, X., et al., 2021). Das Tapen führt in der Regel auch zu keinen unangenehmen Nebenwirkungen!
Aber Achtung: Das Tapen sollte durch eine erfahrene und gut ausgebildete Person erfolgen oder zumindest vorgezeigt werden damit Dir dann jemand das Tape korrekt aufbringen kann. Aus Erfahrung raten wir Dir davon ab, das Tape selbst aufzukleben, denn das wird meistens ziemlich ungenau. Meistens können Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten sowie Orthopädinnen und Orthopäden das Tape richtig anwenden und erklären. Falls Du Dir unsicher bist, frag‘ vorher einmal nach, ob sich das Personal auch mit Tapen in der Schwangerschaft auskennt.
Schwangerschaftsgürtel oder auch Bauchgurt genannt, tragen ebenfalls zu einer Reduktion der Rückenschmerzen bei Schwangeren bei. Diese Gürtel helfen dabei das zusätzliche Gewicht der Babykugel besser zu verteilen und so den Rücken und andere stark beanspruchte Bereiche zu entlasten. Abgesehen von einer teils deutlichen Schmerzreduktion durch solche Bauchgürtel berichten einige Schwangere auch davon, sich dadurch wieder besser und freier bewegen zu können (Gutke, A., et al., 2015 und Lauridsen, J. et al., 2025). Auch hier gilt wie bei den Tapes, dass in der Regel keine unerwünschten Nebenwirkungen zu erwarten sind und sich ein Versuch also definitiv lohnen könnte!
Muskulatur gezielt entspannen
Während sich die ersten beiden Methoden primär um die Entlastung der Muskulatur gedreht haben, geht es nun um eine gezielte Entspannung und dadurch Schmerzreduktion.
Eine überaus wirksame Methode zur Schmerzreduktion dürfte TENS in Kombination mit Muskelentspannung mit Musik sein (Koukoulithras, I., Sr et al., 2021). TENS steht für Transkutane elektrische Nervenstimulation und führt über kleine, nicht-schmerzhafte, elektrische Impulse zu einer Schmerzreduktion. Auch diese Methode ist bewährt und weit verbreitet für viele Anwendungen allerdings nicht uneingeschränkt empfohlen für Schwangere. Wenn Du diese Methode also ausprobieren möchtest, sprich unbedingt mit Deiner Ärztin, Arzt oder Hebamme. Beachte außerdem die Anleitung und Hinweise des TENS-Geräts.
Falls dir TENS zu riskant wirkt, kannst du es auch mal mit Musik-Entspannungstherapie zur Schmerzlinderung versuchen. Auch hier deuten Studien darauf hin, dass Du so Rückenschmerzen reduzieren könntest (Wang, S., et al., 2025). Selbst wenn die Reduktion der Schmerzen nicht so groß wie erhofft sein sollte, kann Entspannung dank Musik unserer Meinung nach ohnehin nur ein Vorteil sein!
Manche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler raten ebenfalls zu Akkupunktur, um die Schmerzen zu reduzieren (Gutke, A., et al., 2015). Andere merken an, dass die Schmerzreduktion nicht so groß wie erhofft war, sich die Schwangeren jedoch leichter und uneingeschränkter bewegen konnten (Wang, S., et al., 2025). Hier muss also wohl wirklich jede selbst herausfinden, ob Akkupunktur geeignet ist.
Rückenschmerzen „wegtrainieren“?
Sport im Kampf gegen Rückenschmerzen gehören nicht ohne Grund zu den bekanntesten und beliebtesten Maßnahmen – auch wenn es zu Beginn oft kontraproduktiv wirkt. Fakt ist aber, dass Krafttraining während der Schwangerschaft unter anderem zu einer Reduktion der Schmerzen beitragen kann (Redondo-Delgado, P., et al., 2025).
Falls Du alleine bei dem Gedanken an Sport nun die Krise bekommen hast, können wir dich aber beruhigen: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten feststellen, dass Aerobic- und Krafttraining abwechselnd jede zweite Woche und täglich mindestens 30 Minuten zügiges gehen bereits zu einer deutlichen Verbesserung der Beschwerden führen kann. Auch hierbei werden nicht nur die Schmerzen selbst reduziert, sondern auch die Bewegungsfreiheit in der Kugelzeit verbessert (Sklempe Kokic, I., et al., 2017).
Solltest Du Dir Sorgen machen, welchen Sport Du in der Schwangerschaft ausführen darfst und was es als werdende Mama sonst noch zu wissen gibt, rund um das Thema Sport in der Schwangerschaft, legen wir dir diesen Artikel ans Herz.
Wann Du ärztliche Hilfe aufsuchen solltest
Egal, wie häufig und weit verbreitet Rückenschmerzen in der Schwangerschaft auch sein mögen, sie sind nicht immer so harmlos wie es klingt. Besonders extrem starke oder plötzliche Schmerzen solltest Du unbedingt immer abklären lassen! Gerade in der Schwangerschaft bleiben nämlich andere Ursachen oder Verletzungen oft verborgen. Im Zweifelsfall solltest Du aber bitte sowieso immer ärztlichen Rat einholen – lieber einmal zu oft als zu wenig. Letztlich soll die Kugelzeit ja auch eine schöne Zeit für dich als werdende Mama sein und alles was dazu beitragen kann, solltest du versuchen. Da kann dann eben auch mal ein zusätzlicher Besuch bei Deiner Ärztin oder Arzt dazu gehören.
Häufige Fragen zu Rückenschmerzen in der Schwangerschaft
Warum treten Rückenschmerzen in der Schwangerschaft so häufig auf?
Durch hormonelle Veränderungen, eine veränderte Körperhaltung und das zusätzliche Gewicht wird die Wirbelsäule stärker belastet. Das führt bei vielen Schwangeren zu Verspannungen und Schmerzen.
Sind Wärmeanwendungen in der Schwangerschaft erlaubt?
Ja, moderate Wärme wie Wärmflaschen oder warme Bäder können entspannen. Sehr heiße Anwendungen oder Saunagänge sollten jedoch vorher mit einer Fachperson abgeklärt werden.
Wann sollte ich bei Rückenschmerzen in der Schwangerschaft zum Arzt?
Wenn die Schmerzen sehr stark sind, plötzlich auftreten, in die Beine ausstrahlen oder von weiteren Symptomen begleitet werden, ist eine medizinische Abklärung wichtig.
Kann ich Methoden wie Tapen oder TENS auch kombinieren?
Grundsätzlich lassen sich die meisten der genannten Methoden kombinieren. Selbstverständlich ist beispielsweise das Nutzen eines TENS-Geräts während des Sports nicht sinnvoll, aber es sind grundsätzlich keine Wechselwirkungen zu erwarten. Im Zweifelsfall empfehlen wir Dir eine Beratung von einer Expertin oder einem Experten.
Referenzen
- Salari, N., Mohammadi, A., Hemmati, M., Hasheminezhad, R., Kani, S., Shohaimi, S., & Mohammadi, M. (2023). The global prevalence of low back pain in pregnancy: a comprehensive systematic review and meta-analysis. BMC pregnancy and childbirth, 23(1), 830. https://doi.org/10.1186/s12884-023-06151-x
- Quaresma, C., Silva, C., Secca, M. F., O'Neill, J. G., & Branco (2010). Back pain during pregnancy: a longitudinal study. Acta reumatologica portuguesa, 35(3), 346–351.
- Xue, X., Chen, Y., Mao, X., Tu, H., Yang, X., Deng, Z., & Li, N. (2021). Effect of kinesio taping on low back pain during pregnancy: a systematic review and meta-analysis. BMC pregnancy and childbirth, 21(1), 712. https://doi.org/10.1186/s12884-021-04197-3
- Gutke, A., Betten, C., Degerskär, K., Pousette, S., & Olsén, M. F. (2015). Treatments for pregnancy-related lumbopelvic pain: a systematic review of physiotherapy modalities. Acta obstetricia et gynecologica Scandinavica, 94(11), 1156–1167. https://doi.org/10.1111/aogs.12681
- Lauridsen, J., Dalbøge, A., & Jahn, A. (2025). The effect of pelvic belts to manage low back and pelvic pain during pregnancy a systematic review and meta-analysis. Midwifery, 148, 104529. https://doi.org/10.1016/j.midw.2025.104529
- Koukoulithras, I., Sr, Stamouli, A., Kolokotsios, S., Plexousakis, M., Sr, & Mavrogiannopoulou, C. (2021). The Effectiveness of Non-Pharmaceutical Interventions Upon Pregnancy-Related Low Back Pain: A Systematic Review and Meta-Analysis. Cureus, 13(1), e13011. https://doi.org/10.7759/cureus.13011
- Wang, S., Zhang, H., Zhang, G., & Jin, L. (2025). Effectiveness of nonpharmacologic interventions on pregnancy-related low back pain: A network meta-analysis of randomized controlled trials. Medicine, 104(34), e43969. https://doi.org/10.1097/MD.0000000000043969
- Redondo-Delgado, P., Blanco-Giménez, P., López-Ortiz, S., García-Chico, C., Vicente-Mampel, J., & Maroto-Izquierdo, S. (2025). Effects of strength training on quality of life in pregnant women: A systematic review. Acta obstetricia et gynecologica Scandinavica, 104(7), 1231–1243. https://doi.org/10.1111/aogs.15122
- Sklempe Kokic, I., Ivanisevic, M., Uremovic, M., Kokic, T., Pisot, R., & Simunic, B. (2017). Effect of therapeutic exercises on pregnancy-related low back pain and pelvic girdle pain: Secondary analysis of a randomized controlled trial. Journal of rehabilitation medicine, 49(3), 251–257. https://doi.org/10.2340/16501977-2196


















