- In der Schwangerschaft kann ein automatischer Therapie-Stopp nicht nur unnötig, sondern auch gefährlich sein
- Besonders bei Asthma können ein neues Management und Medikation nötig sein
- Sanfte Medikation ist grundsätzlich vorteilhaft aber viele Medikamente sind mittlerweile kein Problem mehr in der Schwangerschaft
Allergische Erkrankungen wie Asthma, allergische Rhinitis, Neurodermitis und Allergien betreffen bis zu 30% aller Frauen im fruchtbaren Alter (Pfaller B, et al., 2022). Dementsprechend sind auch ganz schön viele werdende Mamas von diesen Problemen betroffen. Solltest Du eine von ihnen sein, erfährst Du in diesem Artikel alles wichtige, das du zu diesem Thema wissen musst.
Sicher atmen: Asthma in der Schwangerschaft behandeln
Schlecht kontrolliertes Asthma in der Schwangerschaft stellt leider eine nicht zu unterschätzende Gefahr für Dich und Dein kleines Wunder dar: Das Risiko an Präeklampsie also einer potentiell lebensbedrohlichen Kombination aus Bluthochdruck und Organschäden in der Schwangerschaft zu erkranken, steigt durch eine schlechte Asthma-Behandlung signifikant. Auch die Gefahr, dass Du einen Kaiserschnitt benötigst oder eine Frühgeburt erleidest, steigt durch die unzureichende Behandlung dieser Krankheit. Außerdem ist Dein Baby mit einer größeren Wahrscheinlichkeit zu leicht bei seiner Geburt und wächst nicht ausreichend. Leider kann auch das Risiko steigen, dass Dein kleiner Schatz selbst an Asthma erkranken wird (Pfaller B, et al., 2022).
Nun stellt sich natürlich die Frage, ob und wie Asthma in der Schwangerschaft behandelt werden darf, um solche folgenschweren Nebenwirkungen zu verhindern: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind sich mittlerweile einig, dass eine Standard-Asthma-Therapie einen größeren Nutzen als Risiko während der Schwangerschaft mit sich bringt. Natürlich solltest Du trotzdem ärztlichen Rat einholen und nicht einfach selbst ausprobieren und Deine Therapie wie bisher fortsetzen (Kwah, J. H., et al., 2019).
Doch wie genau soll Deine Medikation Deinen besonderen, neuen Umständen angepasst werden? Um eine ideale Asthma-Therapie zu gewährleisten, empfehlen Expertinnen und Experten, regelmäßige FeNO-Messungen (Messung des fraktionierten exhalierten Stickstoffmonoxids) durchführen zu lassen. FeNO-Messungen gelten als sichere Methode, um Asthma zu diagnostizieren und den Schweregrad der Erkrankung beziehungsweise die Wirksamkeit der Therapie festzustellen. Aus diesem Grund eignet sich diese schmerzlose Messung auch während Deiner Kugelzeit wunderbar als Tool um die Erkrankung erfolgreich zu managen (Pfaller, B., et al., 2022).
Bei manchen Frauen kann Asthma auch unter der Geburt zum Problem werden – jedoch sind davon glücklicherweise nur wenige werdende Mamas betroffen. Solltest Du Dir also Sorgen um einen Asthmaanfall während der Geburt machen, empfehlen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf ausreichend Schmerzmedikation zu setzen. Empfindest Du mehr Schmerzen steigen aus diversen Gründen nämlich die Chancen, dass Du einen Anfall bekommst. Im Rahmen der Geburt gilt eine PDA also eine lokale Betäubung als effektivste Methode zur Schmerzreduktion und wird aus genau diesem Grund auch für Mamis mit Asthma empfohlen (Jones, C. E., et al., 2025).
Allergien während der Schwangerschaft
Wie im Laufe des restlichen Lebens auch, solltest Du (Deine) Allergene so gut Du kannst, vermeiden, um keine allergischen Reaktionen zu riskieren (Pope, E. M., et al., 2023). Dies gilt sowohl für klassische Pollenallergien als auch für Lebensmittelallergien und Kontaktallergien. Während dies bei Lebensmittel- und Kontaktallergien größtenteils umsetzbar ist, ist es leider so gut wie unmöglich Pollen, Hausstaub und Co zu entkommen. Besonders moderne Antihistaminika gelten jedoch als unbedenklich während der Schwangerschaft und könnten also Deine Rettung sein (Pfaller, et al., 2022). Auch hier empfehlen wir Dir dringend, Dich mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt abzusprechen.
Solltest Du Dir nicht sicher sein, ob beziehungsweise an welcher Allergie Du leidest, ist während der Schwangerschaft definitiv kein geeigneter Zeitpunkt, um dies herauszufinden. Allergietests werden teilweise während der Kugelzeit aus diesem Grund gar nicht erst durchgeführt. Selbst wenn sie durchgeführt werden, sollte während dieser magischen Zeit kritisch hinterfragt werden, ob der Test genau jetzt tatsächlich notwendig ist oder nicht auch zu einem späteren Zeitpunkt gemacht werden kann (Pope, E. M., et al., 2023).
Neurodermitis und Ekzeme in der Schwangerschaft: Von Basispflege über Cortison bis zu Biologika
Neurodermitis, auch bekannt als Atopische Dermatitis, sollte idealerweise bereits vor der Schwangerschaft gut unter Kontrolle gebracht sein. Die ideale Pflege für die eigene Haut zu finden kann nämlich durchaus dauern und bei Fehlversuchen die Notwendigkeit nach sich ziehen, stärkere Wirkstoffe anzuwenden. Diese stärkeren Wirkstoffe sollten nach Möglichkeit aber während der Kugelzeit vermieden werden – einerseits da sie nicht alle als sicher gelten und andererseits, weil die Nebenwirkungen von Stoffen wie Cortison verstärkt auftreten können (Pope, E. M., et al., 2023).
Deine Basispflege solltest Du in der Schwangerschaft keinesfalls vernachlässigen, um Schüben vorzubeugen. Solltest Du dennoch auf Cortisoncremes angewiesen sein, solltest Du dies mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt absprechen. Die Meisten Cortisonsalben können bedenkenlos angewendet werden jedoch kann es notwendig sein, die Dosierung oder ergänzende Therapien anzupassen. Falls notwendig kann auch eine UVB-Therapie während der Schwangerschaft angewendet werden. In besonders extremen Fällen sind unter ärztlicher Begleitung auch gewisse systemische Therapien für werdende Mamas erlaubt (Pfaller, et al., 2022). Auch Biologika können in vielen Fällen weiterhin während der Schwangerschaft genutzt werden. Dies liegt unter anderem daran, dass Biologika in der Regel bei Frauen mit besonders schwerer Neurodermitis eingesetzt werden und diese mehr Nebenwirkungen durch die Krankheit selbst als durch die Therapie mit Biologika zu befürchten haben (Shakuntulla, F., et al., 2022).
Ganz ähnlich sehen die Empfehlungen für Ekzeme aus: Basispflege als wichtigstes Instrument, bevor lokale und falls nötig auch systemische Therapien erfolgen können (Keeling, E., et al., 2025).
Anti-Allergische Medikamente in der Kugelzeit
Wie bereits erwähnt gelten die meisten Antihistaminika als sicher in der Schwangerschaft. Jedoch sind modernere Präparate der zweiten Generation gegenüber älteren Zusammensetzungen vorzuziehen.
Auch für Asthmatikerinnen gibt es Entwarnung: Die meisten Cortison-Inhalatoren dürfen in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt weiterhin verwendet werden.
Nasensprays mit Cortison sind hingegen schlechter erforscht als klassische inhalative Sprays aber dürften in vielen Fällen auch unproblematisch sein.
Zu Immunsuppressiva gibt es ausreichend Daten, die zeigen, dass die Wahl der richtigen Wirkstoffe entscheidend ist: Wird ein geeigneter Wirkstoff während der Kugelzeit eingesetzt sind nämlich keine negativen Überraschungen zu erwarten (Pfaller, B., et al., 2022).
Häufige Fragen zum Thema
Darf ich meine Asthma-Inhalatoren in der Schwangerschaft weiterbenützen?
Meistens schon. Wissenschaftliche Studien zeigen eindeutig, dass das Risiko von unkontrolliertem Asthma viel höher ist als das Risiko der Standard-Medikamente. Besprich die genaue Dosierung jedoch immer mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.
Welche Allergietabletten (Antihistaminika) sind für Schwangere erlaubt?
Moderne Antihistaminika der sogenannten zweiten Generation gelten in der Schwangerschaft als gut erforscht und sicher. Du solltest sie dennoch nicht eigenmächtig einnehmen, sondern Rücksprache mit deiner gynäkologischen oder hausärztlichen Praxis halten.
Schadet Cortisonsalbe gegen Neurodermitis meinem ungeborenen Kind?
Die meisten lokalen Cortisonsalben können in der Schwangerschaft bedenkenlos auf der Haut angewendet werden, da nur minimale Mengen in den Blutkreislauf gelangen. Die Basispflege sollte dennoch immer das Fundament der Behandlung sein.
Was ist eine FeNO-Messung und warum ist sie in der Schwangerschaft sinnvoll?
Die FeNO-Messung ist ein einfacher, schmerzfreier Atemtest, der das Stickstoffmonoxid in der Ausatemluft misst. Er hilft dabei, den Entzündungswert in den Atemwegen genau zu überwachen und die Asthma-Medikamente perfekt an Deine Schwangerschaft anzupassen.
Referenzen
- Pfaller, B., Bendien, S., Ditisheim, A., & Eiwegger, T. (2022). Management of allergic diseases in pregnancy. Allergy, 77(3), 798–811. https://doi.org/10.1111/all.15063
- Kwah, J. H., & Stevens, W. W. (2019). Asthma and allergies in pregnancy. Allergy and asthma proceedings, 40(6), 414–417. https://doi.org/10.2500/aap.2019.40.4260
- Jones, C. E., & Jamil, Y. (2025). Management of asthma in pregnancy. Clinical medicine (London, England), 25(1), 100277. https://doi.org/10.1016/j.clinme.2024.100277
- Pope, E. M., Laageide, L., & Beck, L. A. (2023). Management of Allergic Skin Disorders in Pregnancy. Immunology and allergy clinics of North America, 43(1), 117–132. https://doi.org/10.1016/j.iac.2022.05.012
- Shakuntulla, F., & Chiarella, S. E. (2022). Safety of Biologics for Atopic Diseases During Pregnancy. The journal of allergy and clinical immunology. In practice, 10(12), 3149–3155. https://doi.org/10.1016/j.jaip.2022.08.013
- Keeling, E., Smith, C. H., & Woolf, R. T. (2025). The management of severe eczema in pregnancy. Clinical medicine (London, England), 25(1), 100282. https://doi.org/10.1016/j.clinme.2024.100282


















