- HPV kann Eizellen, Plazenta oder Spermien schädigen und auch eine künstliche Befruchtung erschweren
- Chlamydien richten Schaden an Zellen der Schleimhäute an und verringern die Fertilität
- Gonorrhoe begünstigt Zelltod und Schwangerschaftskomplikationen
- Frühzeitige Diagnosen verbessern den Therapie-Erfolg
Sexuell übertragbare Krankheiten oder „sexually transmitted diseases“ sind Krankheiten, die primär durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen werden. Sexuell übertragbare Krankheiten und Infektionen werden aus dem englischen kommend auch oft als STD (sexually transmitted disease) oder STI (sexually transmitted infection) abgekürzt. Leider herrscht bis heute ein großes Stigma rund um diese Krankheiten, weshalb auch bis heute zu wenig Wissen dazu ausgetauscht wird. In diesem Artikel klären wir daher, über einige Auswirkungen der häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten auf Deine Fruchtbarkeit auf.
Humanes Papillomvirus bei Frauen
Das Humane Papillomvirus ist wesentlich besser unter HPV bekannt und zugleich eine der bekanntesten sexuell übertragbaren Krankheiten – nicht zuletzt durch die Möglichkeit einer Schutzimpfung.
Das Humane Papillomvirus scheint dafür zu sorgen, dass die Eizelle oder die Zellen der Plazenta angegriffen werden. Das gilt besonders auch dann, wenn die Spermien des Sexualpartners mit HPV infiziert sind. Die Schädigung der Zellen führt dann dazu, dass mehr Ei- und Plazentazellen in die Apoptose, also den programmierten Zelltod, geschickt werden und somit absterben. Dadurch wird eine Einnistung der Eizelle unwahrscheinlicher oder im schlimmsten Fall gar unmöglich. Damit zusammenhängend steigt leider auch das Risiko für eine Fehlgeburt durch HPV bedingt (Ardekani, O. S., et al., 2025).
HPV führt außerdem dazu, dass die Granulosazellen in ihrer Funktion eingeschränkt werden. Diese Zellen sind essentiell für die Reifung der Eizellen und Östrogenproduktion. Auch das Anti-Müller-Hormon (AMH) kann durch eine HPV-Infektion sinken. Letztlich trägt HPV auch dazu bei, dass Entzündungsreaktionen im Körper entstehen, die sich dann ebenso negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken können (Ardekani, O. S., et al., 2025).
Auch Anti-Spermien-Antikörper, die zu einer Abwehr- und Abtötungsreaktion des weiblichen Körpers gegen Spermien führen, können vermehrt durch eine HPV-Infektion auftreten (Ardekani, O. S., et al., 2025).
Humanes Papillomvirus bei Männern
Während eine HPV-Infektion beim Mann sich wie oben beschrieben auch auf den weiblichen Körper negativ auswirken kann, bleibt auch der Körper des Mannes selbst zumindest nicht vollständig verschont. Die Spermienkonzentration sinkt und auch die Morphologie (Form der Spermien) und die Motilität (Bewegungsfähigkeit der Spermien) nimmt ab (Weinberg, M., et al., 2020). Auch die Vitalität der Spermien also die Anzahl der lebenden Spermien wird durch eine Infektion mit dem humanen Papillon-Virus beeinträchtigt. Sogenannte DNA-Fragmentationen also Beschädigungen des Erbguts der Spermien werden jedoch leider häufiger durch das Virus hervorgerufen (Ardekani, O. S., et al., 2025). Insgesamt steigt dadurch leider das Risiko für eine Fehlgeburt an (Weinberg, M., et al., 2020).
Auswirkungen von HPV unabhängig des Geschlechts
Aufgrund der vielfältigen und umfassenden Auswirkungen des Humanen Papillon Virus wirkt sich eine Infektion mit diesem meist leider ebenso negativ auf eine künstliche Befruchtung aus wie eine natürliche Empfängnis. Dies kann an einer gestörten Eizell-Spermien-Reaktion oder einer gestörten Verschmelzung der beiden Zellen liegen. HPV erhöht außerdem den oxidativen Stress im Körper, welcher sich dann ebenso negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken kann (Ardekani, O. S., et al., 2025).
Chlamydien bei Frauen
Chlamydien werden durch das Bakterium Chlamydia trachomatis hervorgerufen und gehören in Europa und den USA zu den am häufigsten vorkommenden sexuell übertragbaren Infektionen.
Eine Chlamydien-Infektion führt leider dazu, dass sich die Zellen der Vagina direkt verändern. Sie altern durch die Bakterien ausgesprochen schnell und es kommt außerdem häufig zu Entzündungsreaktionen. Beides trägt dazu bei, dass die Zellen der Vagina überdurchschnittlich häufig absterben (Zeng, B., et al., 2026). Neben den Zellen der Vagina leiden auch die Zellen der Gebärmutterschleimhaut unter dem Bakterium: Eine der vielen möglichen Auswirkungen ist, dass ihre Zellbarrieren geschädigt werden. Diese Schäden in der Gebärmutter können eine Einnistung deutlich erschweren und somit leider auch einer erfolgreichen Schwangerschaft im Wege stehen (Lindsay, C. V., et al., 2023).
Interessanterweise deuten jedoch trotz dieser ernüchternden Ergebnisse nicht alle Studien darauf hin, dass die Fertilität insgesamt bei Frauen mit einer Chlamydien-Infektion eingeschränkt ist. Während manche Expertinnen und Experten einen Zusammenhang festgestellt haben, können andere Fachleute keinen Zusammenhang erkennen (Kristensen, T. S., et al., 2025). So berichten einige Studienautorinnen und -autoren davon, dass eine Infektion mit Chlamydien das Risiko für ektopische Schwangerschaften, wiederholtes Einnistungsversagen, Frühgeburten und andere Komplikationen erhöht (Smolarczyk, K., et al., 2021). In manch anderen Studien konnten diese Probleme und Risiken jedoch nicht dargestellt werden. Wie bei so vielen Dingen, bleiben die Ergebnisse also unklar und die Ergebnisse und Chancen müssen wohl auf individueller Ebene mit den Patientinnen geklärt worden. Selbstverständlich muss aber auch die Forschung auf Hochtouren weiterlaufen, um eindeutige Antworten geben zu können (Kristensen, T. S., et al., 2025).
Chlamydien bei Männern
Bei Männern mit einer Chlamydien-Infektion sind in der Regel außergewöhnlich viele deformierte Spermien und auffällig wenige lebende Spermien vorhanden (Cui, J. J., et al., 2026). Damit einhergehend haben andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler festgestellt, dass eine Chlamydien-Infektion besonders häufig zu einer Teratozoospermie führen kann. Bei einer Teratozoospermie oder Teratospermie sind eben viele morphologisch abnormale (=deformierte) Spermien vorhanden. Außerdem scheinen Chlamydien das Auftreten eine Oligozoospermie zu begünstigen also einer niedrigen Spermienkonzentration (Asaboro, N., et al., 2025).
Gonorrhoe bei Frauen
Gonorrhoe wird umgangssprachlich auch Tripper genannt und wird ebenfalls durch ein Bakterium verursacht. Gonorrhoe scheint auf vielfältige Weise auf die Gebärmutterschleimhaut zu wirken und dort unter anderem vermehrte Entzündungen und Zelltod hervorzurufen (Lindsay, C. V., et al., 2023).
Vermutlich dadurch bedingt erhöht eine Infektion mit Gonorrhoe auch das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen. Vor allem die Gefahr für eine ektopische Schwangerschaft, wiederholtes Einnistungsversagen oder eine Frühgeburt steigen durch das Bakterium an (Smolarczyk, K., et al., 2021).
Gonorrhoe bei Männern
Eine Infektion mit Gonorrhoe kann die Spermienanzahl auf ein Drittel im Vergleich zu Männern ohne dieser Infektion verringern. Außerdem nimmt die Vitalität (Lebensfähigkeit), Motilität, also Bewegungsfähigkeit und die Konzentration der Spermien ab (Cui, J. J., et al., 2026).
Andere Infektionen bei Frauen
Nachdem leider nicht alle Infektionen bisher bei Menschen aller Geschlechter ausreichend erforscht worden sind, können wir bei Infektionen bei Frauen nur noch über das Mycoplasma genitalium berichten. Es handelt sich hierbei ebenso um ein sexuell übertragbares Bakterium. Dieses Bakterium begünstigt leider das Risiko für Eileiterschwangerschaften, Früh- und Fehlgeburten (Smolarczyk, K., et al., 2021).
Andere Infektionen bei Männern
Eine Infektion mit dem Bakterium Mycoplasma genitalium senkt die Anzahl und Konzentration der Spermien nachweislich, wodurch die Fertilität reduziert wird (Cui, J. J., et al., 2026).
Bei einem Ungleichgewicht der Schleimhäute verursacht durch das Bakterium Ureaplasma urealyticum sinkt ebenso die Konzentration der Spermien. Ebenso sinkt die Vitalität also Lebensfähigkeit der Spermien und auch die Motilität wird eingeschränkt (Cui, J. J., et al., 2026).
Das Herpex Simplex Virus 2 ist zwar mit dem bekannten Herpes Simplex Virus 1 der Fieberbläschen verwandt, wird jedoch in der Regel sexuell übertragen und tritt auch häufiger im Genitalbereich auf. Grundsätzlich können aber beide Virustypen an verschiedenen Stellen auftreten. Auch hier ist die Studienlage noch nicht eindeutig: Einige Studien zeigen eine Abnahme der Spermienanzahl und Morphologie durch eine Infektion mit dem Herpex Simplex Virus 2 (Salar, S. M., et al., 2025), während andere Studien keine negativen Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit aufzeigen (Cui, J. J., et al., 2026).
Was tun bei Infektions-Verdacht?
Solltest Du oder jemand mit dem Du ungeschützten Geschlechtsverkehr hattest, den Verdacht haben, dass er oder sie an einer Infektion leidet, ist ein Test bei einer Fachärztin oder einem Facharzt dringend zu empfehlen. Ungeschützter Geschlechtsverkehr bezieht sich in Bezug auf das Übertragen von Infektionen übrigens auf die Nutzung eines Kondoms oder Dental Dams (Lecktücher). Letztlich erfolgt die Ansteckung sexuell übertragbarer Krankheiten nämlich durch den Austausch infektiöser Körperflüssigkeiten wie Vaginalsekret oder Sperma.
Bei einer bestätigten Infektion sollten also unbedingt alle Personen, die potentiell angesteckt worden sind, kontaktiert und informiert werden. Je früher die Infektion behandelt wird, desto erfolgreicher verläuft die Therapie zumeist. Diese sind nämlich heutzutage deutlich fortgeschritten und können auch ein aktives Sexleben trotz Infektion wieder ermöglichen.
Häufig gestellte Fragen
Können sexuell übertragbare Infektionen meine Fruchtbarkeit beeinträchtigen?
Ja, einige sexuell übertragbare Infektionen können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Sie können zum Beispiel Entzündungen auslösen, Zellen der Schleimhäute schädigen, die Einnistung erschweren oder die Qualität von Spermien und Eizellen negativ beeinflussen.
Können STIs auch eine künstliche Befruchtung erschweren?
Ja, einige Infektionen - insbesondere HPV - können nicht nur die natürliche Empfängnis, sondern auch eine künstliche Befruchtung erschweren. Gründe dafür können gestörte Reaktionen zwischen Ei- und Samenzelle, erhöhter oxidativer Stress oder geschädigte Fortpflanzungszellen sein.
Woran merke ich, dass ich eine STI habe?
Nicht jede Infektion verursacht sofort Beschwerden. Manche STIs verlaufen lange unbemerkt. Mögliche Hinweise können Schmerzen, Ausfluss, Brennen beim Wasserlassen, Blutungen außerhalb der Menstruation oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sein - oft gibt es aber auch gar keine Symptome. Gerade deshalb sind Tests bei Verdacht so wichtig.
Was sollte ich tun, wenn ich eine Infektion vermute?
Dann solltest Du Dich möglichst schnell bei einer Fachärztin oder einem Facharzt testen lassen. Wenn sich eine Infektion bestätigt, ist es wichtig, auch sexuelle Kontakte zu informieren, damit sie sich ebenfalls testen und gegebenenfalls behandeln lassen können.
Schützen Kondome immer vollständig vor STIs?
Kondome und Dental Dams senken das Risiko deutlich, bieten aber keinen hundertprozentigen Schutz vor allen Infektionen. Trotzdem gehören sie zu den wichtigsten Maßnahmen, um das Übertragungsrisiko beim Sex zu reduzieren.
Sollte ich mich bei Kinderwunsch auf STIs testen lassen?
Das kann sinnvoll sein - besonders bei ungeklärten Fruchtbarkeitsproblemen, vor einer Kinderwunschbehandlung oder wenn es ungeschützten Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnerinnen oder Partnern gab. Ein Test kann helfen, mögliche Ursachen frühzeitig zu erkennen und gezielt zu behandeln.
Referenzen
- Ardekani, O. S., Letafati, A., Dehkordi, S. E., Farahani, A. V., Bahari, M., Mahdavi, B., Ariamand, N., Taghvaei, M., Kohkalani, M., Pirkooh, A. A., Jazayeri, S. M., & Saso, L. (2025). From infection to infertility: a review of the role of human papillomavirus-induced oxidative stress on reproductive health and infertility. European journal of medical research, 30(1), 339. https://doi.org/10.1186/s40001-025-02605-4
- Weinberg, M., Sar-Shalom Nahshon, C., Feferkorn, I., & Bornstein, J. (2020). Evaluation of human papilloma virus in semen as a risk factor for low sperm quality and poor in vitro fertilization outcomes: a systematic review and meta-analysis. Fertility and sterility, 113(5), 955–969.e4. https://doi.org/10.1016/j.fertnstert.2020.01.010
- Zeng, B., Zhao, F., Zhou, F., Gu, W., Sun, F., Lv, W., Li, G., Zhang, Y., Wang, X., Lin, X., Liu, N., Wang, Y., Yang, J., Zhang, S., & Dai, Y. (2026). Sex hormone-responsive human vaginal epithelial organoids: a novel in vitro platform for studying Chlamydia trachomatis infection. Cell communication and signaling : CCS, 24(1), 121. https://doi.org/10.1186/s12964-026-02685-7
- Lindsay, C. V., Potter, J. A., Grimshaw, A. A., Abrahams, V. M., & Tong, M. (2023). Endometrial responses to bacterial and viral infection: a scoping review. Human reproduction update, 29(5), 675–693. https://doi.org/10.1093/humupd/dmad013
- Kristensen, T. S., Foldager, A., Laursen, A. S. D., & Mikkelsen, E. M. (2025). Sexually transmitted infections (Chlamydia trachomatis, genital HSV, and HPV) and female fertility: A scoping review. Sexual & reproductive healthcare : official journal of the Swedish Association of Midwives, 43, 101067. https://doi.org/10.1016/j.srhc.2025.101067
- Smolarczyk, K., Mlynarczyk-Bonikowska, B., Rudnicka, E., Szukiewicz, D., Meczekalski, B., Smolarczyk, R., & Pieta, W. (2021). The Impact of Selected Bacterial Sexually Transmitted Diseases on Pregnancy and Female Fertility. International journal of molecular sciences, 22(4), 2170. https://doi.org/10.3390/ijms22042170
- Cui, J. J., Zhong, W., Zhang, Y. Q., Zhang, X. Y., Zhang, H. Y., Li, S., & Li, C. L. (2026). Prevalence of semen abnormalities and the impact of genital pathogens on male infertility: a retrospective analysis of 131 183 patients. Asian journal of andrology, 10.4103/aja20264. Advance online publication. https://doi.org/10.4103/aja20264
- Asaboro, N., Omo-Aghoja, L., & Adeyinka, A. (2025). Association of Chlamydia Trachomatis Sero-Positivity with Male Infertility in the Niger-Delta Region of Nigeria: A Case-Control Study. Journal of the West African College of Surgeons, 16(2), 193–198. https://doi.org/10.4103/jwas.jwas_178_24
- Salar, S. M., Edalat, F., Letafati, A., Kalantar, S. M., Javanmardi, F., Najafi, A., Vakili, M., & Moattari, A. (2025). Prevalence of HSV-1/HSV-2 and CMV Infections in Infertile Men and Their Impact on Sperm Parameters: A Cross-Sectional Study in Iran. Health science reports, 8(2), e70221. https://doi.org/10.1002/hsr2.70221




















