- Aus ethischen Gründen werden keine Studien an Schwangeren oder Frauen mit Kinderwunsch durchgeführt weshalb kaum Daten vorliegen
- Einige Fallbeispiele sind trotzdem bekannt und dokumentiert
- Vermutlich gelangt lokal injiziertes Botox nicht in den Blutkreislauf und erreicht den Uterus so nicht
- Injektionen können immer auch Komplikationen wie Entzündungen nach sich ziehen, die Deinen Kinderwunsch temporär erschweren können
Behandlungen mit Botox zur Reduktion oder Prävention von Falten oder auch aus medizinisch initiierten Gründen wie Migräne werden immer häufiger. Kein Wunder also, dass sie auch in der Kinderwunsch-Community angekommen sind. Doch zukünftigen Mamis fehlen bei diesem Thema leider oft wissenschaftlich basierte Informationen da diese nur sehr schwer zu finden sind. Um Dir das Leben und die Entscheidung über eine mögliche Behandlung etwas leichter zu machen, haben wir hier für Dich alles, was du wissen musst, kompakt und verständlich zusammengetragen.
Was ist Botox?
Eine sehr spannende Frage, denn Botox ist eigentlich ein starkes Nervengift, das von Bakterien produziert wird. Botox ist übrigens eine Abkürzung für den vollständigen Namen Botulinumtoxin. Dieser Wirkstoff hemmt die Signalübertragung zwischen Nervenzellen und Muskeln. Was in hohen Dosen also tödlich enden kann, wird in der Medizin zur gezielten Muskelrelaxation eingesetzt: Darunter fallen unter anderem die Behandlung von chronischer Migräne, extremen Muskelkrämpfen oder Zähneknirschen. Immer häufiger wird Botox aber auch in der plastischen Chirurgie eingesetzt und zur Glättung von Falten im Gesicht genutzt. Die Wirkung von Botox setzt meistens wenige Tage nach der Injektion ein und hält einige Monate an.
Da Botox also bei falscher Anwendung zu gravierenden Nebenwirkungen führen kann, sollte eine Behandlung unbedingt von Fachärztinnen und Fachärzten durchgeführt werden.
Warum die Studienlage zu Botox so dünn ist
Nach aktuellem Stand gibt es kaum Studien oder Untersuchungen zur Injektion von Botox während der Kinderwunschreise oder der Schwangerschaft. Dies liegt einfach daran, dass normalerweise keine Substanzen zu Testzwecken an Personen in dieser vulnerablen und wichtigen Zeit in ihrem Leben verabreicht werden. Denn solange eine Substanz nicht als „sicher“ für Schwangere oder bedenkenlos kurz vor einer Schwangerschaft gilt, besteht leider immer die Gefahr, dass doch eine Gefahr von einer gewissen Behandlung ausgehen könnte. Nachdem natürlich keine Schwangere oder Kinderwusch-Heldin diesem Risiko ausgesetzt werden soll, bleiben in vielen Fällen nur Daten von Frauen, die zum Zeitpunkt der Behandlung noch gar nichts von ihrem kleinen Wunder wussten und somit unwissentlich in der Kugelzeit behandelt worden sind.
Bleibt Botox nur dort, wo es injiziert wird?
Expertinnen und Experten gehen aktuell nicht davon aus, dass Botox bei einer korrekten Anwendung in den Blutkreislauf übergeht. Nachdem die Substanz eben meistens in das Gesicht, den Hals oder den oberen Oberkörper (besonders bei Migräne) gespritzt wird, sollte also Botox nie in die Nähe des Uterus gelangen. Dadurch fehlt dem Stoff die lokale Wirkung in der Nähe der Reproduktionsorgane (beziehungsweise dem Baby im Falle einer Schwangerschaft) und auch die systemische Wirkung da es eben nicht in den Blutkreislauf übergehen sollte. Allerdings ist anzumerken, dass es sich dabei eben um Annahmen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern handelt und keine Studien mit Menschen zu diesem Thema vorliegen (Tan, M., et al., 2013).
Bestätigte Fälle und Empfehlungen
Die meisten Substanzen und Behandlungen, die während einer Schwangerschaft unproblematisch sind, sind dies auch in der Kinderwunschzeit. Garantie gibt es leider wie immer aber keine – auch das sind nur Annahmen. In einigen Fällen haben Frauen eben bereits Botox während der Schwangerschaft erhalten. Unabhängig von der Indikation (also egal, ob aus medizinischen oder ästhetischen Gründen) sind aktuell insgesamt nur sehr wenige Fälle bekannt:
Von 30 bekannten und im Rahmen einer Studie dokumentierten Fällen bei denen Frauen während der Schwangerschaft mit Botox behandelt worden sind, durften 27 Frauen ein gesundes Baby in den Armen halten. Eine Schwangerschaft ist aus medizinischen Gründen beendet worden und zwei Schwangerschaften sind leider in einer Fehlgeburt geendet. Die Frauen, die eine Fehlgeburt erleiden mussten, hatten bereits früher Fehlgeburten erlitten (Tan, M., et al., 2013).
Vor wenigen Jahren wurden Daten aus möglichst vielen Fällen einer unbewussten Botox-Injektion während der Schwangerschaft zusammengetragen. Dabei konnte festgestellt werden, dass über 77% der Schwangeren ein lebendes Baby zur Welt brachten. Rund 32 der 195 dokumentierten Schwangerschaften endeten in einer Fehlgeburt und einige Schwangerschaften sind bewusst beendet worden. Von den 152 lebendig geborenen Babys waren vier leider nicht gesund. Das entspricht einem Prozentsatz von 2.6% und hebt sich damit kaum von der Rate der Gesamtbevölkerung ab (Brin, M.F., et al., 2023).
Auch wenn diese Fallbeispiele bekannt sind und erstmal beruhigend klingen, raten die Herstellerfirmen von der Nutzung zu Botox in der Schwangerschaft ab und auch die meisten Ärztinnen und Ärzte empfehlen während der Schwangerschaft konsequent auf die Behandlung zu verzichten.
Im Bereich der Kinderwunschreise sind die Stimmen gemischter – und leider liegt dazu bisher keine einzige gezielte Studie vor: Einige Expertinnen und Experten raten dazu, zwischen der letzten Botox-Behandlung und einer möglichen Schwangerschaft mindestens sechs bis acht Wochen Abstand zu lassen während anderer Fachleute keine Bedenken äußern. Von den Herstellerfirmen der Botox-Injektionen gibt es keine Auskunft über eine mögliche Nutzung und deren Folgen für die Fruchtbarkeit.
Viele Ärztinnen und Ärzte geben jedoch ohnehin zu bedenken, dass sich durch die körperlichen Veränderungen während einer Schwangerschaft und einer möglichen Kinderwunschbehandlung auch Dein Aussehen und Deine Gesichtsform ändern kann. Dementsprechend raten einige von ihnen ohnehin dazu, kosmetische Behandlungen entspannt auf die Zeit nach der Entbindung zu verschieben und gezielt unter Berücksichtigung der neuen Umstände durchzuführen. Außerdem weisen Fachleute darauf hin, dass auch bei einer Botox-Injektion Komplikationen wie eine Infektion oder Entzündung auftreten können, die dann beispielweise mit Antibiotika behandelt werden müssen. Diese Nebenwirkungen können sich dann negativ auf Deine Fruchtbarkeit auswirken – auch wenn dies meist nur kurzzeitig der Fall ist.
Fazit
Ob eine Behandlung mit Botox nun negative Auswirkungen auf Deine Kinderwunschreise haben wird, können wir leider nicht beantworten. Eindeutig sagen lässt sich jedoch nur, dass ein Risiko leider nicht zu 100% ausgeschlossen werden kann. Wenn Du also auf der sicheren Seite sein möchtest, solltest Du im Zweifelfall lieber temporär auf eine Botox-Behandlung verzichten, um Deine Reise zum Wunschkind unbeschwert zu gestalten.
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Häufig gestellte Fragen
Schadet Botox meinen Eizellen oder schränkt es die Fruchtbarkeit ein?
Dazu gibt es von den Herstellern keine Daten. Da Botox jedoch in der Regel lokal im Muskel gebunden bleibt und nicht in den Blutkreislauf gelangt, gehen Expertinnen und Experten nicht davon aus, dass es die Qualität der Eizellen oder die Fruchtbarkeit direkt beeinflusst.
Wie lange sollte ich nach einer Botox-Behandlung warten, bis ich versuche, schwanger zu werden?
Da es keine offiziellen Studien gibt, sind die Meinungen geteilt. Einige Fachärztinnen und Fachärzte empfehlen zur absoluten Sicherheit eine Wartezeit von sechs bis acht Wochen nach der letzten Injektion, während andere keine Pause für notwendig halten.
Was passiert, wenn ich Botox erhalten habe und kurz darauf erfahre, dass ich schwanger bin?
Keine Panik! Daten von Frauen, die unwissentlich in der Frühschwangerschaft behandelt wurden, zeigen keine statistisch erhöhte Rate an Fehlgeburten oder Fehlbildungen im Vergleich zur Normalbevölkerung. Informiere jedoch ab dem positiven Test Deine Frauenärztin oder Deinen Frauenarzt.
Gibt es Risiken abseits des Wirkstoffs selbst?
Ja. Jede Injektion birgt ein minimales Risiko für lokale Infektionen oder Entzündungen. Müssen diese anschließend mit Medikamenten wie Antibiotika behandelt werden, kann das den Ablauf einer geplanten Kinderwunschbehandlung oder den natürlichen Zyklus kurzzeitig stören.
Referenzen
- Tan, M., Kim, E., Koren, G., & Bozzo, P. (2013). Botulinum toxin type A in pregnancy. Canadian family physician Medecin de famille canadien, 59(11), 1183–1184.
- Brin, M. F., Kirby, R. S., Slavotinek, A., Adams, A. M., Parker, L., Ukah, A., Radulian, L., Elmore, M. R. P., Yedigarova, L., & Yushmanova, I. (2023). Pregnancy Outcomes in Patients Exposed to OnabotulinumtoxinA Treatment: A Cumulative 29-Year Safety Update. Neurology, 101(2), e103–e113. https://doi.org/10.1212/WNL.0000000000207375




















